Widerstand in Genf : Beatrice Weyrich und die visuelle Geschichte indigenen Engagements
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Zwischen 1981 und 2004 reiste die Zürcher Grafikerin und Fotografin Beatrice Weyrich jedes Jahr nach Genf, um die Treffen indigener Delegierter bei den Vereinten Nationen zu dokumentieren. Ihre Fotografien zeigen einen entscheidenden historischen Moment: den langen und oft unsichtbaren Kampf indigener Gemeinschaften für Anerkennung, Rechte und Selbstbestimmung auf internationaler Ebene.
In einer Zeit, in der indigene Menschen in den Medien häufig auf stereotype Bilder reduziert wurden, schuf Weyrich eine andere Perspektive. Ihre Aufnahmen zeigen Delegierte als das, was sie sind: politische Akteurinnen und Akteure, die verhandeln, argumentieren, Netzwerke aufbauen und ihre Anliegen auf globaler Bühne vertreten.
Über 2500 Fotografien sind so entstanden ein einzigartiges visuelles Archiv des transnationalen indigenen Widerstands. Sie dokumentieren nicht nur offizielle Sitzungen, sondern auch informelle Begegnungen, Diskussionen und Momente des Austauschs, die für den politischen Prozess ebenso zentral waren.
Beatrice Weyrich war eng mit Incomindios verbunden. Seit den 1970er Jahren engagierte sie sich in der Organisation, gestaltete Publikationen, dokumentierte Veranstaltungen und begleitete indigene Delegationen über viele Jahre hinweg. Ihre Arbeit war geprägt von Respekt und Nähe. Sie nahm sich Zeit, Beziehungen aufzubauen, fragte um Erlaubnis, bevor sie fotografierte, und stellte den Porträtierten ihre Bilder zur Verfügung.
Ihre Fotografien sind mehr als Dokumente sie sind eine bewusste Gegenerzählung. Sie widersprechen vereinfachenden und exotisierenden Darstellungen und machen die Vielfalt, Professionalität und Entschlossenheit indigener Bewegungen sichtbar. Besonders bemerkenswert ist, dass sie auch weibliche Aktivistinnen als zentrale Akteurinnen ins Bild setzte und damit deren oft übersehene Rolle hervorhob.
Mit dem Übergang zur digitalen Fotografie zog sich Weyrich aus der fotografischen Praxis zurück. Ihr Werk bleibt jedoch von grosser Bedeutung. Es ermöglicht einen seltenen und wertvollen Einblick in die Geschichte indigener Bewegungen bei den Vereinten Nationen und trägt dazu bei, diese sichtbar und zugänglich zu machen.
Heute befindet sich ein grosser Teil ihres Archivs beim Indigenous People’s Centre for Documentation, Research and Information (Docip) in Genf. Es bildet eine wichtige Grundlage für Forschung, Bildung und Erinnerungskultur und erinnert daran, wie zentral visuelle Dokumentation für das Verständnis politischer Prozesse sein kann.



